Die lange Vorgeschichte von Feste Falkenstein

Von der Burg zum Pfarrhof und wieder zurück

Der ehemalige Pfarrhof zu Falkenstein kann auf eine bewegte Geschichte verweisen und beinahe hätten ihm die letzten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts ein endgültiges Aus beschert - doch von Anfang an:
Der Legende nach soll ein Ritter eine mächtige Burganlage just an jener Stelle errichtet haben, an welcher er den verloren geglaubten Falken wiedergefunden hatte. An Falken und Steinen gab und gibt es in Falkenstein genug, die historische Motivation war aber eine andere. Die Lage selbst als Siedlungsgebiet ab dem Neolithikum identifiziert, war im Mittelalter ein wichtiger Grenzposten gegen Norden hin. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die erste Bauphase bereits in das 10./11. Jahrhundert datiert. Der Gebäudekomplex zählt somit zu den ältesten des Weinviertels. Gelegen am Fuße des Kirchberges in der Flur Rabenstein, bildeten der Pfarrhof gemeinsam mit Kirche, Friedhofsanlage und einer mit Türmen bekrönten Mauer eine mittelalterliche Wehranlage. 1249 ist Heinrich von Liechtenstein auf Rabenstein belegt, ab 1265 war es eine selbständige Herrschaft der Liechtensteiner. 1295 nennt das Castrum in Rabenstein mit Wall, Graben und Mauern umgeben. Es ist naheliegend, dass die erste Burg in Falkenstein im Bereich des ehemaligen Pfarrhofs lag und mit der urkundlich erfassten Burg Rabenstein ident ist.

Vieles spricht dafür, manches dagegen. Jedenfalls ist die Annahme einer Burg-Kirchen-Anlage in Siedlungsnähe für das frühe Mittelalter sehr wahrscheinlich. An einer Abbruchkante über dem Ort gelegen, überragte sie schützend den Ortsanger. Es folgten mehrere Bauphasen im 11./12. Jahrhundert, weiters im 13. Jahrhundert. Im 14./15. Jahrhundert wurde die Pfarrhofanlage umfangreich ausgebaut. Sein heutiges Erscheinungsbild erhielt der Pfarrhof jedoch primär im späten 16. und 17. Jahrhundert. Gewölbe, Rollstuck und die am Turm heute noch vorhandene Sonnenuhr (1622), zählen zu den sichtbaren Zeichen dieser Bauphase.

Berggericht

1309 hatte das Landgericht, ein Hoch- und Blutgericht, seinen Sitz in Falkenstein. Im selben Jahr wird im "Bergtaidingbuch" das "Falkensteiner Bergrecht" festgelegt. Das Berggericht war für alle Fragen in Weinbauangelegenheiten zwischen Wien und Brünn zuständig. Als später die Burg (jetzt Burgruine) an ihren heutigen Standort verlegt und aus der alten Burg der ehemalige Pfarrhof wurde, blieb letzterer Sitz des Landgerichtes und Lagerort des Zehents. Der ehemalige Pfarrhof stand bis 1975 als solcher in Verwendung, es folgte eine Renovierung im Jahr 1988 sowie 1997 tiefgreifende Eingriffe aufgrund bauhistorischer Untersuchungen anlässlich eines beabsichtigten Hotelprojektes, die zwar Aufschlüsse zur Baugeschichte lieferten, ansonsten aber wenig Rücksicht auf den weiteren Fortbestand des Gebäudes nahmen. Unter den neuen Eigentümern musste letztendlich 2009 eine grundlegende Gebäudesicherung erfolgen sowie eine Generalsanierung in den Jahren 2010-2016, bei der auch ein großzügiger Veranstaltungsbereich angelegt wurde, der dem Gebäudekomplex wieder Leben einhauchen soll.

Gleich hinter dem Garten des ehemaligen Pfarrhofs befinden sich die Mariengrotte und der felsige Kreuzberg/Kalvarienberg. Die Pfarrkirche (datiert 1050) ist dem Heiligen Jakobus geweiht und Teil des Jakobsweges im Weinviertel. Ausgedehnte Spaziergänge laden den Besucher ein, sich mit Natur, Kultur und Kulinarik des Weinviertels auseinanderzusetzen und erlauben weite Ausblicke zum nördlichen Nachbarn.

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